Adventgeschichte 2012

Da gehe ich so durch städtische Einkaufszonen und Christkindlmärkte und erkenne mit deutlichem Unbehagen, dass Weihnachtsbeleuchtung und -schmuck vor lauter Glitzerwerk kaum mehr christliche Symbole enthalten. Und fühle mich um ersehnte sentimentale Kindheitserinnerungen betrogen. Gleichzeitig fällt mir ein, wie viele der hohen Amtskirchen-Vertreter ich wegen ihrer Weltfremdheit, Sturheit und bigotten Verlogenheit nicht ausstehen kann.

Da sehe ich an allen Ecken Bettler mir Hüte entgegenstrecken und Zeitungen anbieten. Unangenehm berührt schaue ich an Ihnen vorbei und denke an organisierte Banden, an Asylwerber, die mit meinem Steuergeld versorgt werden. Dann fällt mir ein, dass ich als Kind beim Herbergsuche-Spiel sehr darüber entsetzt war, dass die arme heilige Familie von allen reichen Hausbesitzern so hart abgewiesen wurde.

Da komme ich gereizt nach Hause und beginne an Kleinigkeiten herumzunörgeln, bald liegt Streit in der Luft. Angeblich ist ja Weihnachten, mehr noch als Wochenenden, Urlaube und anderen Feiertage eine gefährliche Zeit bezüglich Ehekrisen, Familienkrachs und Depressionen. Angeblich flüchten da besonders viele in oberflächliche Unterhaltung, exzessives Feiern und Alkohol. Was plötzlich in Aggression umschlagen kann.
Und ich erinnere mich daran, dass alles Streiten nur aus der Unzufriedenheit mit sich selbst entsteht. Dass niemand vor seinen Ängsten davon laufen kann. Dass die Projektion von schlechter Energie nach außen niemals Lösungen bringt.

Ich wünsche allen für diesen Advent, dieses Weihnachtsfest und diesen Jahreswechsel vor allem friedliche Stille und einen ruhigen, aufmerksamen Blick nach innen, der eine neue Orientierung möglich macht. Orientierung ist ja die Ausrichtung nach dem Orient, nach dem Ort, wo die Sonne, das Licht aufgeht.

Ja, ein Licht soll uns aufgehen.