…Wie Österreich ganz sicher den nächsten ESC gewinnen kann

„Die finnischen Downsyndrom-Punks Pertti Kurikan Nimipäivät werden diesmal das Rennen beim Eurovision Song Contest machen“ ist Tex Rubinowitz überzeugt. Wenn er letztlich Recht behält, wenn also die Juroren vieler Länder diesem Auftritt mit vielen Punkten „besonderen Respekt“ erweisen wollen – wie sie es letztjährig auch der bärtigen ÖsterreicherIn Conchita erwiesen haben – dann hat der ESC damit ganz klar einen neuen Drive bekommen: Die vor allem auch im Internet erhobenen Stimmen von sozial Engagierten und politisch Korrekten, von Inklusions- und Toleranz-Befürwortern werden die ESC-Siegeschancen der ESC-Bewerber wesentlich beeinflussen.

Pontifex Alexander Wrabetz – wie man ihn gemäß dem ORF-ESC-Slogan „Building Bridges“ und seinem „Alleingang“ mit Wursts Nominierung getrost nennen darf – und seinem Team stehen damit eine ganz fantastische Vielfalt neuer Chancen zur Verfügung, den Sieg beim nächsten ESC „wieder nach Wien zu holen“: Man denke an eine rockige Roma-Müllkinder-Band, an die Arie einer hochschwangeren (da muss das Timing halt stimmen), schwarzafrikanischen Opernsängerin oder an das Abschiedslied eines sterbenden Aids-Kranken im Rollstuhl. Noch größere Chancen hätte vielleicht ein Asylanten-Ensemble, das garantiert beim Übersetzen des Mittelmeers über Bord gegegangen ist und anschließend gerettet wurde und in dem möglichst alle Weltreligionen vertreten sein sollten. Damit wäre wohl – auch hier kann man der pragmatischen Denkungsweise Rubinowitzs folgen – ein garantierter Sieg für Österreich und den ORF „einzufahren“.

Aber wenn das alle machen? Das wäre jetzt nicht mehr so abwegig. Dann könnte man eigentlich auch die Voraus-Castings mit in dem Sinne geeigneten Bewerbern in alle Welt per TV und Web präsentieren, bewegende Momente und hohe Quoten garantiert. Dann hat sich aber auch der ESC theoretisch abgeschafft, weil es ja immer weniger um Songs, um Musik geht. Das hat er allerdings schon mehrere Male gemacht, denken wir nur an den Switch von den europäischen Landessprachen zum einheitlichen Englisch, an die gar nicht mehr sehr Liedhaften bombastischen, sexistischen, exaltierten Inszenierungen und die Öffnung für nicht europäische Teilnehmer-Länder.

Eigentlich könnte man den ESC jetzt auch einfach in European Social Contest oder European Special Contest umbenennen. Ein sehr zynischer Bekannter von mir hat sogar die Bezeichnung „European Freak Contest“ vorgeschlagen, aber das klingt mir doch gar zu garstig und böse für einen Bewerb der doch nur das Beste und dabei halt auch beste Einschaltquoten will.

Ich freue mich jedenfalls darauf, dass wieder einmal der Song einer Künstlerin oder eines Künstlers gewinnen wird, der künstlerisch überzeugend und „l’art pour l’art “ ist. In diesem oder einem anderen Bewerb oder einfach „im wirklichen Leben“.

Mag. Wolfgang Lusak, Lobby Coach und Unternehmensberater
www.lusak.at, www.lobbydermitte.at